Fleischfresserin, Vegetarierin oder Veganerin?

Welche Schublade soll es sein? Für mich ehrlich gesagt, keine mehr. Ich habe versucht vegan zu leben und bin gescheitert, ich habe versucht vegetarisch zu leben und bin gescheitert. Jedesmal lag es am Dogma, welches ich mir selber auferlegte. Gut nicht nur, es lag auch daran, dass ich mich nicht mit den veganen/vegetarischen Ersatzprodukten anfreunden konnte und mit der aufwendigen Verpackung, die diese oft mit sich bringen. Denn normalerweise kaufe ich in einer Einkaufskooperative, in der es vieles unverpackt gibt und auch Käse lose, also nicht vorgeschnitten und eingeschweißt, verkauft wird. Ein weiterer Punkt ist, dass ich jedesmal, wenn ich komplett auf Fleisch verzichtet habe, nach einiger Zeit einen gewissen Mangel spürte. Ich bekam einen derartigen Heißhunger auf Fleisch, dass ich bereit war, den nächsten Würstchenstand zu überfallen. 

Allerdings bin ich überzeugt, dass eine vegane, zumindest eine vegetarische, Lebensweise das Richtige wäre. Also nähere ich mich dem einmal mehr an. Allerdings gibt es diesmal keinen totalen Bruch mit alten Gewohnheiten, denn dauerndes Verzichten schafft Frust und das führt in der Regel zu Frustessen in Form von tierischen Produkten. Daher sind Ausnahmen okay. Essen hat auch viel mit Herkunft zu tun. Ich bin auf dem Land großgeworden, bei uns war Fleischessen normal. Auch als Kind war mir bewusst, dass das Huhn auf meinem Teller, das war mit dem ich vor einigen Tagen noch munter auf dem Hof gespielt hatte. Auch möchte ich, wenn ich einmal im Jahr einen Käsekuchen backe, diesen mit richtigen Quark bereiten, damit er wie der von meiner Oma schmeckt. 

Viktor und ich haben uns viel darüber unterhalten, warum unsere früheren Versuche immer gescheitert sind. Viel hat es mit den Schubladen zu tun, die wir uns selber schafften. Dieses päpstlicher sein Wollen als der Papst. Damit man ja nicht sagen  muss, falls jemand fragt: Ja, ich bin Veganerin, aber manchmal esse ich auch Fisch und Eiscreme mit Sahne. Immer mit der unterschwelligen Angst, nun ein Strafgeld zahlen zu müssen. Des weiteren, war es halt oft auf Einladungen kompliziert. 

Diesmal wird es keine „Wie-Käse-Produkte“ geben. Erst einmal schmecken die nur für jemanden „Wie Käse“, der seit Ewigkeiten keinen richtig guten Käse gegessen hat. Also wird selbst gekocht. Viktor will nicht auf Käse und Butter verzichten, während ich im Augenblick sehr glücklich mit Brotaufstrichen und frischen Obst und Tomaten auf Brot bin. Den Cheesana Jalapeno Aufstrich beäugt er allerdings schon sehr genau. Wahrscheinlich habe ich den bald nicht mehr für mich alleine.

Ein grundlegender Fehler bei früheren Versuchen war sicher, dass wir immer sofort umgeschaltet haben. Das hat nicht geklappt. Nun wird also nach und nach ausgetauscht … und wenn immer noch ein alter Liebling bleibt, dann ist es eben so. Ich will mich nicht passend für irgendeine Schublade machen, ich will mich bewusst ernähren, will Umwelt und Tierwohl dabei im Auge behalten und ich will experimentieren. Denn industriell vorgefertigte Nahrung will ich so wenig wie möglich.